Zucht

Bei dem enormen Überschuss an Hunden, der bereits existiert (man schaue nur einmal in die Tierheime und beobachte diverse Organisationen die zudem Hunde aus dem Ausland importieren) bedeutet Züchten zunächst, neue Welpen in die Welt zu setzen. Dessen bin ich mir bewusst und habe mir meine Absicht zu züchten sehr gut überlegt. Dennoch fand ich gute Gründe es zu wagen. Die Verpaarungen nehme ich nicht aus kommerziellen Gründen vor, sondern versuche züchterisch das Bestehende meiner Auffassung nach zu verbessern. Der wichtigste Aspekt meiner bisherigen Verpaarungen ist aus jedem Wurf eine neue zukünftige Zuchthündin für meinen Zwinger zu bekommen.
Dieser Wunsch wurde mir mit "Anabell vom Tatzelwurm" erfüllt. Sie wurde meine erste selber gezogene Zuchthündin und brachte mir im Mai 2010 den ersten Wurf "Tatzelwürmer" in zweiter Generation zur Welt. Inzwischen habe ich mein Ziel ein weiteres Mal erreicht und mit "Catta vom Tatzelwurm" meine zweite Zuchthündin aus eigener Zucht bekommen.

Nach intensiven Studien von entsprechender Fachliteratur musste ich feststellen, dass trotz aller Forschung im Bereich der Genetik das Züchten weiterhin auch eine Glücksache zu sein scheint. Denn die Kombinationen der Gene erfolgt zufällig. Außerdem können erst nach mehrmaligen Paarungserfolgen mit verschiedenen Deckrüden die rezessiven Gene in Erscheinung treten und benannt werden. Je mehr ich mich versuchte zu informieren, desto verwirrender wurde es und es folgten neue unbeantwortete Fragen.
"Ich weiß, dass ich nichts weiß". Dieses Zitat spiegelt meinen Zustand wieder.

In vielen Büchern wird auf den Erfahrungsschatz etablierter Züchter verwiesen und eine Beratung durch sie empfohlen. Im Zuge dessen möchte ich mich bei Herrn Walter Hoffmann (Züchter, erfolgreicher Hundeführer und Leistungsrichter), Herrn Werner Hübner (Züchter und erfolgreicher Hundeführer) und Herrn Stanislav Vodicka (Züchter, erfolgreicher Hundeführer und Leistungsrichter) recht herzlich für die Weitergabe ihrer Erfahrungen an mich bedanken. Weiterhin einen Dank an alle meine Freunde, Sports- und Vereinskollegen ohne deren Wissen, Hilfe und Ermutigung ich bereits resigniert hätte.

Wie jedes im Sozialverband lebende Säugetier benötigt auch der Hund, egal welcher Rasse, eine entsprechende Erziehung. In der Hundeausbildung stehen uns hierfür zwei Motivationsmöglichkeiten zur Verfügung, nämlich Futter und Spielzeug. Das ist der Grund weshalb ich züchterisch sehr großen Wert auf eine hohe triebliche Beständig- und Beutebelastbarkeit lege. Es spielt für mich keine Rolle ob der Hund später seine Familie samt Hab und Gut behüten und ein verlässlicher Begleiter im Alltag mit allen Herausforderungen des täglichen Lebens sein soll, im Hundesport geführt wird oder seinen Dienst bei einer entsprechenden Behörde/ Institution verrichtet. Die logische Konsequenz ist, dass mir züchterisch jegliche Form der Übertypisierung zuwider ist. Es liegt sicherlich nicht in meinem Interesse einen Hund zu züchten, der in jeder Hinsicht nervlich überreizt ist oder nicht die Fähigkeit besitzt eine Rangordnung mit der damit verbundenen Unterordnung zu akzeptieren. Zudem ist es für mich eine Selbstverständlichkeit dass ein Hund die Höhe eines Schafsnetzes bei der Hütearbeit ebenso problemlos überwinden kann wie auch unwegsame steile Geröllhänge bei der Trümmersuche im Rettungshundewesen. Ich kann sie förmlich hören, die Stimmen der Kritiker. „Auf welcher Großveranstaltung waren denn die Tatzelwürmer bisher? Nirgendwo!“ Eben… denn ich züchte nicht mit dem Ziel auf überregionalen Veranstaltungen erfolgreich zu sein, sondern um die Vielseitigkeit dieser Rasse zu erhalten.

Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch etwas ansprechen. Ehrlichkeit!
Mir wurde mehrfach Unüberlegtheit und dadurch bedingte Schädigung meiner eigenen Zucht vorgeworfen, weil ich nicht gewillt bin Fehler meiner Zucht zu verschweigen.
Wenn nach langjähriger Zucht behauptet wird man habe noch NIE einen Hund mit gesundheitlichen Problemen gezüchtet, dann lügt man! Weiterhin werden aus verkaufstaktischen Gründen zum Beispiel falsche oder veraltete Zuchtwertziffern angegeben. Der ED- und HD-Status der Zuchttiere und deren Ahnen wird mit ungenauen Formulierungen beschrieben wie HD- bzw. ED-frei, obwohl fast normal (Übergangsform) oder noch zugelassen (leichte ED bzw. HD) seitens des SV-Vereines diagnostiziert wurde.
Meine Philosophie ist eine andere. Es geht mir nicht um den schnellen Verkauf durch derartige Vorgehensweisen, sondern um die gute Qualität der Welpen, die langjährige Zufriedenheit der neuen Besitzer und damit verbunden um meinen Ruf als seriöser Züchter!


Zuchtziel

Bei der Ausarbeitung meines Zuchtzieles habe ich mir folgende Liste erstellt:

  1. im Vordergrund sollte stets die Gesundheit stehen (Vermeidung von HD, ED, Rückenbeschwerden, Allergien, ...)
  2. unter Berücksichtigung der heutigen Zeit muss ein Hund umweltverträglich, nervenstark und belastbar sein (nicht nur Hundesportler wollen einen Deutschen Schäferhund haben)
  3. aufgrund der Tatsache, dass ich sowohl im Schutzhundebereich tätig bin, als auch meine Leidenschaft für die Hütearbeit (300 Schafe) entdeckt habe, möchte ich dem Zuchtziel des Vereines als Vielseitigkeitsrasse folgen
  4. da Schönheit im Auge des Betrachters liegt und bekanntlich die inneren Werte zählen, vernachlässige ich etwas die Anatomie und richte mein Hauptaugenmerk auf die Leistung
  5. in Anlehnung an die Viehzucht sollte viel Pigment gezüchtet werden, als Garant für Vitalität und Agilität
  6. weiterhin möchte ich den über einige Jahrzehnte separat gezüchtete DDR-Schäferhund in meine Zucht mit einbeziehen und die Vorteile des "neuen Blutes" nutzen
  7. die Langlebigkeit und die Altersagilität eines Hundes sollte zudem Berücksichtigung finden und wieder eine Verbindung zu Punkt 1 herstellen